Gatter-Löwen und Frankenstein-Zuchten

Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Anfang März in Berlin wurde der Film „Bloodlions“ erstmals gezeigt. Dabei werden Löwen nur für ihren späteren Abschuss im Gatter gezüchtet. Der DJV distanziert sich ausdrücklich von den gezeigten Praktiken, denn diese haben nichts mit Jagd gemein.

Der Abschuss von gezüchteten und in Gefangenschaft aufgewachsenen Wildtieren hat mit Jagd nichts gemein. (Quelle: Screenshot bloodlions.org/DJV)
Der Abschuss von gezüchteten und in Gefangenschaft aufgewachsenen Wildtieren hat mit Jagd nichts gemein. (Quelle: Screenshot bloodlions.org/DJV)

Während der weltweit größten Reisemesse, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, fand die inoffizielle Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Blood Lions“ statt. Darin wird das blutige Geschäft mit der tausendfachen Zucht von Löwen in Südafrika geschildert, das bei den männlichen Tieren oft mit dem kommerziellen Abschuss hinter hohen Zäunen endet. Die Löwenknochen werden für medizinische Zwecke Gewinn bringend nach Asien verkauft. Von den Praktiken dieser blutigen Industrie, die unter dem Begriff „Jagd“ Geld verdient, distanziert sich nach dem südafrikanischen Jäger- und Berufsjägerverband auch der Deutsche Jagdverband (DJV) nachdrücklich: Der Abschuss von eigens für diesen Zweck gezüchteten, handzahmen Löwen fügt dem Ruf nachhaltiger Jagd und verantwortungsbewusster Jäger auch hierzulande schweren Schaden zu.

Vor diesem Hintergrund begrüßt es der DJV außerordentlich, dass auf den Fachmessen „Jagd & Hund“ (Dortmund) und „Hohe Jagd“ (Salzburg) künftig solche Angebote nicht mehr vermarktet werden dürfen. Der DJV ruft seine Mitglieder auf, die Grundlagen einer waidgerechten Jagd auch im Ausland zu beachten. Dazu gehört der strenge Schutz bedrohter Arten genauso wie die nachhaltige Nutzung freilebender Wildtiere, wo diese in ausreichender Dichte vorkommen. Der Abschuss von handzahmen Löwen, die eigens dafür  in gegatterten Arealen gezüchtet werden (captive bred lions) zählt ebenso wenig zu verantwortungsvoller Jagd wie der Abschuss ausschließlich durch Zucht entstandener genetisch manipulierter Farbvarianten (artificial breeding) wie Gold-Gnus oder dreifarbiger Impalas.

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Vor allem in Südafrika werden bis zu 8.000 Löwen von Hand in Gattern aufgezogen - unter teils fragwürdigen hygienischen Umständen. Freiwillige aus Europa und Nordamerika werden unter dem Vorwand von „Natur- und Artenschutzarbeit“ für die sehr aufwändige Aufzucht der Löwen angeworben. Sie zahlen dafür jeweils mehrere tausend US-Dollar. Die handzahmen männlichen Tiere werden anschließend oft gegen Geld zum Abschuss angeboten, Knochen werden für die traditionelle Medizin nach Asien verkauft. Der Global Nature Fund hat auf der Internationalen Tourismusbörse auf diesen Misstand hingewiesen und den gesamten Dokumentarfilm „Blood Lions“ erstmals in Deutschland gezeigt (www.globalnature.org/Lions-for-Sale). So genannte Tierschutzorganisationen versuchen derzeit, im Zuge des Filmes die gesamte Auslandsjagd in Misskredit zu bringen. Der DJV distanziert sich ausdrücklich von den gezeigten Praktiken. Gleichzeitig befürwortet der Verband die nachhaltige Jagd. Zahlreiche Studien belegen, dass diese insbesondere in Afrika zum Erhalt bedrohter Arten beitragen kann.