In einem Memorandum richtet sich der Namibische Umwelt- und Tourismusminister Pohamba Shifeta an Gastjäger und Einheimische. Er verbietet den Inhabern von Namibischen Jagdlizenzen, Bilder von erlegtem Wild in den sozialen Netzwerken zu posten. Die deutsche Delegation des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) und der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßen diesen Vorstoß.  

In einem gestern veröffentlichten Schreiben verweist der Namibische Minister für Umwelt und Tourismus auf das künftige Verbot, Fotos von erlegtem Wild in den sozialen Netzwerken einzustellen und zu verbreiten. Diese Bilder sind aus der Sicht von Minister Shifeta unethisch und werfen „ein schlechtes Licht auf das Ansehen der gut regulierten Jagd“ in seinem Land. In Zukunft ist das Verbot Bedingung zur Erteilung einer Jagderlaubnis. Es ist verboten, sogenannte „Erlegerbilder“ in anderer Form als zu rein privaten Zwecken zu nutzen.

Auf diesen Vorstoß aus Namibia reagiert der CIC erfreut: "Fragwürdige Erlegerfotos gehören nicht in die sozialen Medien. Wir haben häufig genug erlebt, welchen Schaden sie anrichten“, so Dr. Wilhelm von Trott zu Solz, Leiter der Deutschen Delegation des CIC. „Erst am vergangenen Wochenende haben würdelose Bilder einer US-Amerikanerin mit einer in Südafrika erlegten Giraffe für massive Irritationen in den Medien gesorgt. Ich habe für solche Bilder kein Verständnis.“

Mitteilung des Namibischen Umweltministers: Erlegerbilder in sozialen Netzwerken verbotenAuch hierzulande sorgen Bilder von erlegtem Wild häufig für hitzige Diskussionen in den sozialen Medien. Menschen, die nichts mit Jagd zu tun haben, reagieren meist mit Unverständnis auf blutige Tierkadaver, hinter denen ein Jäger posiert. „Viele Erlegerfotos würden den Frühstückstest nicht bestehen: Wir sollten uns selbstkritisch fragen, was Frau Maier von nebenan beim Biss in ihr Frühstücksbrötchen empfindet, wenn sie etwa das  Foto vom abgeschnittenen Kopf eines Rehbocks sieht, der auf dem Boden einer zugemüllten Garage liegt", sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer. Das sei nicht unser Verständnis von Ethik in der Jagd und mit Sicherheit keine Werbung für unser Handwerk, so Fischer weiter.

Das Handwerk Jagd kann durchaus in Form von Bildern gezeigt werden. CIC und DJV rufen ihre Mitglieder dazu auf, beim Anfertigen von Erinnerungsfotos Respekt vor dem Wild und Empathie für Außenstehende in den Vordergrund zu stellen. DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald appelliert an die Ausbilderinnen und Ausbilder von künftigen Jägerinnen und Jägern, den Umgang mit sozialen Medien und das Auftreten in der Öffentlichkeit stärker zu thematisieren.

„Dürfen wir Ihnen mal einen Vogel zeigen?“

Unverständnis herrscht bei Deutschlands Jägern und Falknern über das Interview des Nabu-Funktionärs Josef Tumbrinck von Mitte Juni in der Westdeutschen Zeitung. Dort versteift sich Tumbrinck auf die Aussage, er habe noch nie einen Jäger erlebt, der etwa für den Schutz eines Wanderfalkens einen Schornstein hochsteigt. Zudem stelle das Jagdrecht ein Einfallstor für illegale Abschüsse und Vergiftungen von streng geschützten Tieren dar.

fm2 Di., 2018-06-26 09:54

Seit Juni 2018 ist Forstwirt Stephan Wunderlich Koordinator für Auslandsjagd und internationalen Artenschutz in der Geschäftsstelle des DJV in Berlin. Der 43-jährige Vater von vier Kindern ist leidenschaftlicher Jäger, Falkner und Hundeführer und wird künftig CIC und DJV vor allem in der Außenkommunikation zum Thema Auslandsjagd unterstützen.

DJV: Stephan, seit der Ausschreibung deiner Stelle erreichen uns teils bitterböse Briefe: Ob wir mit der Jagd in Deutschland nicht genug Baustellen haben, fragen Mitglieder und warum jetzt Auslandsjagd?

Wunderlich: Nun ja, Jagd im Ausland bleibt eben nicht im Ausland. Ein Löwe, der 2015 von einem amerikanischen Zahnarzt in Simbabwe erlegt worden ist, wird von der internationalen Tierrechteszene zum „Märtyrer“ gemacht. Diese Szene hat Millionen von Dollar für Kampagnen und zielt bewusst auf die uninformierte Öffentlichkeit, um Spenden zu sammeln - teilweise sogar unterstützt durch Politik und Nichtregierungsorganisationen mit fragwürdigem Tier- oder Naturschutzhintergrund. Dabei wird der Tod eines Löwen kampagnenmäßig als Werkzeug gegen die Jagd eingesetzt. Das strahlt auch auf Europa und Deutschland aus. Ein Effekt: Importembargos. Auch eine deutsche Fluggesellschaft weigerte sich daraufhin Trophäen aus legaler, nachhaltig betriebener Jagd zu importieren.

Das ist für den deutschen Jäger erstmal sehr weit weg.

Falsch. Das ist der Anfang einer Entwicklung, die heute schon jeden Jäger betrifft. Nicht nur die Auslandsjagd, sondern die Jagd per se wird massiv angegriffen und in Frage gestellt! Wir müssen in erster Linie gemeinsam gegenhalten: Jagd ist streng reglementiert und folgt dem Nachhaltigkeitsprinzip. Welche Arten wo und wie bejagt werden dürfen, entscheidet kein Würfel, sondern Regierungen und Wissenschaftler. Und viele erfolgreiche Artenschutzprojekte finanzieren sich durch Geld, das Jäger investieren – weltweit. Hier in Deutschland müssen wir das noch viel stärker kommunizieren!

Deine Stelle teilen wir uns mit dem „Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd“, der Deutschen Delegation des CIC. Der CIC ist in erster Linie Lieferant für ein System zur Bewertung von Trophäen, richtig?

Der CIC hat ein international gültiges System entwickelt, um Qualität und Zielalter einer Trophäe zu bewerten, ja. Vor allem ist er aber ein weltweiter Zusammenschluss von Staaten, staatlichen Institutionen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen, Firmen, Persönlichkeiten sowie Jagdverbänden aus 82 Ländern dieser Welt. Bei internationalen Verträgen wie etwa dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt und CITES, dem Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, genießt der CIC den Status einer zwischenstaatlichen Organisation.

Das heißt?

Er hat eine beratende Funktion. Er bringt sich auf internationaler Ebene ein, wenn es darum geht, ob und wann eine Wildart bejagt werden kann oder darf. Der CIC ist ein starkes Netzwerk von Experten, in dem Wissenschaft auf gelebte Praxis trifft. Das zeigt sich in den zahlreichen Projekten, die die deutsche Delegation des CIC oder seine Mitglieder unterstützen. Sie sind der beste Beweis dafür, welchen Beitrag aktive Jagd zum Artenschutz leistet. Dass DJV und CIC sich meine Position teilen, ist innerhalb der Verbandsarbeit sicher neu, in der Konsequenz aber nur logisch: Jagd und Artenschutz enden nicht an Ländergrenzen, die Angriffe gegen unsere Passion auch nicht.

Was zeichnet gerade Dich für diese Position aus?

Ich mache Öffentlichkeitsarbeit seit ich den Jagdschein habe. Bisher habe ich immer ehrenamtlich den DJV bei Messen, Symposien und Vorträgen unterstützt und war freier Redakteur in der jagdlichen Fachpresse. Zuletzt habe ich den Facebook-Account des LJV Baden-Württemberg maßgeblich mitgestaltet und Teile der Öffentlichkeitsarbeit für den Deutschen Falkenorden (DFO) übernommen. Der DFO ist in meinen Augen ein Paradebeispiel für gelebten Artenschutz durch Jäger: Die bestandsstützende Auswilderung von weit über 1.000 Wanderfalken über Jahrzehnte hinweg zur Wiederansiedlung in Deutschland ist eine echte Erfolgsstory - übrigens maßgeblich auch durch den CIC unterstützt.

Ursprünglich komme ich aus der Forstwirtschaft und habe viele Jahre im Bereich der Holzwirtschaft gearbeitet - sehr viel Zeit davon in Asien und Lateinamerika, sowie Osteuropa. Ich denke, dass ich ein gutes Gespür für Menschen habe und wie man sie trotz zum Teil unterschiedlichster Kulturen und Ansichten an einen Tisch bekommt. Das ist etwas, was ich auch in meiner künftigen Aufgabe leisten können muss: Leute an einen Tisch bringen, die lieber übereinander als miteinander reden.

Hitze-Alarm: Wie Tiere den heißesten Tag des Jahres überstehen

So heiß war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1893 im Mai noch nie. Kein Wunder, dass die Deutschen am vergangenen Dienstag, dem bislang heißesten Tag des Jahres, gehörig ins Schwitzen kamen. Damit unterscheiden sie sich von anderen Säugetieren, die wenige bis gar keine Schweißdrüsen besitzen. Der Deutsche Jagdverband erklärt wie Wildschwein, Feldhase und Co. dennoch "cool" durch die anhaltende Hitzewelle kommen.

Ab ins Wasser

fm2 Do., 2018-05-31 09:25

Landesgestüt Celle dementiert Wolfsangriff auf Pferde. Die Falschmeldung kursiert seit dem Wochenende in den sozialen Medien. DJV bittet darum, die Meldung nicht weiter zu verbreiten.

Seit dem vergangenen Wochenende kursiert in den sozialen Medien eine Meldung über einen angeblichen Wolfsangriff auf 43 Jungpferde in Niedersachsen. Das demnach betroffene Landesgestüt Celle hat nun reagiert und zeigt sich in einer Meldung auf seiner Internetseite enttäuscht darüber, dass Unbekannte auf Kosten des Gestüts Stimmung machen wollen gegen den Wolf. Das Landesgestüt Celle besitze gar keine Weiden in dem Gebiet, wo der angebliche Wolfsangriff stattgefunden haben soll. Überdies sei kein Ausbruch von Pferden bekannt. Die Jungpferde des Landesgestüts würden im Harz gehalten und seien wohlauf.

Der Deutsche Jagdverband bittet Jägerinnen und Jäger darum, die Falschmeldung nicht weiter zu verbreiten. Sogenannte Fake News sind manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten. Laut Duden gibt es zwei Hauptgründe für Menschen, Falschmeldungen zu erstellen: Sie wollen entweder Geld verdienen oder die Meinung zu einem Thema beeinflussen. Was auf der Strecke bleibt, ist laut DJV die Glaubwürdigkeit des Absenders. Themen wie der Umgang mit dem Wolf sollten versachlicht statt emotional aufgeladen werden.

Erkennen einer Falschmeldung

Dachverband der Jäger macht sich stark für den Schutz seiner Mitglieder und unterstützt das "Waidfräulein": Beleidigungen und Bedrohungen von Jägerinnen und Jägern sind kein Kavaliersdelikt. Auch nicht in den sozialen Medien.

Eine junge Jägerin postet auf ihrem Facebook-Profil ein Foto mit erlegtem Fuchs und erhält binnen weniger Tage mehrere hundert hasserfüllte Kommentare: Jagdgegner attackierten das "Waidfräulein"  mit wüsten Beleidigungen und Bedrohungen. "Widerliches Stück Dreck, du bekommst noch, was du verdienst", ist noch eine vergleichsweise harmlose Äußerung. Selbst davor, die Betroffene zu Hause aufzusuchen und einzuschüchtern, schreckten selbsternannte vermeintliche „Tierschützer“ nicht zurück. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat sich unmittelbar nach den Vorfällen eingeschaltet und wird die Betroffene bis zur vollständigen Aufklärung unterstützen. „Es ist ein Phänomen der sozialen Netzwerke, dass völlig natürliche Dinge wie eine Bombe einschlagen können und manche Beteiligte jegliche Benimmregeln vergessen“, so Rechtsanwalt Dr. Heiko Granzin, der mit dem DJV in der Sache zusammenarbeitet.

Alle relevanten Rechtsverletzungen seien zur Anzeige gebracht, so Dr. Granzin weiter: „Die Staatsanwaltschaft nimmt die Sache recht ernst und ermittelt jetzt die Namen und IP-Adressen der teilweise unter Pseudonym agierenden Täter.“ Wer geglaubt hat, aus der vermeintlichen Anonymität des Internets heraus Straftaten zu Lasten einer jungen Jägerin begehen zu können, dürfte sich also bald wundern. Der DJV unterstützt die betroffene junge Frau nicht nur bei den strafrechtlichen Ermittlungen. Neben polizeilichen Vorladungen und Strafbefehlen erwarten die Täter auch zivilrechtliche Schadenersatz- und Unterlassungsklagen. „Das wird alles seine Zeit dauern“, so DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald, „das Ergebnis zählt letztlich und wir Jäger sind es ja gewohnt, zu warten.“ 

Ungewöhnliche Allianzen

Nicht nur in Deutschland, sondern in fast allen europäischen Ländern wird die Rückkehr des Wolfes kontrovers diskutiert. Hauptkonfliktlinie ist dabei die Auseinandersetzung zwischen Tierschützern, die die Rückkehr des Großräubers begrüßen und Schäfern, die ihre traditionelle Weidetierhaltung massiv gefährdet sehen. Während die Debatte in Deutschland erst in den vergangenen Monaten richtig Fahrt aufnimmt, wird in Spanien und Frankreich schon länger lebhaft gestritten.

fm2 Fr., 2018-05-18 12:21
Bundesjägertag 2018 in Bremen

Der Deutsche Jagdverband (DJV) und die Landesjägerschaft Bremen laden am 14. und 15. Juni zum Bundesjägertag in das Kongresszentrum Bremen ein. Etwa 400 Gäste aus ganz Deutschland werden erwartet – darunter Delegierte der Landesjagdverbände, Landes- und Bundespolitiker sowie Vertreter von Verbänden und Unternehmen. Unter dem Motto „Die Marke Jagd auf neuen Wegen“ stehen unter anderem Felle aus heimischer Jagd als nachhaltige Ressource im Fokus.

fm2 Do., 2018-05-17 11:26

Am 7. Mai haben sich der Präsident des Deutschen Schützenbundes (DSB) Hans-Heinrich von Schönfels und Hartwig Fischer, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV), sowie die Geschäftsführer der beiden Verbände, Jörg Brokamp und Andreas Leppmann, in Berlin getroffen. Das gegenseitige Kennenlernen sowie der Austausch und die Abstimmung aktueller Themen standen im Vordergrund.

So soll die traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Schützen und Jägern weiter intensiviert werden, Informationsveranstaltungen könnten zukünftig gemeinsam stattfinden. Gemeinsamkeiten gibt es einige, sei es die Nutzung der Wurfscheiben- und Schießstand-Anlagen oder das Waffenrecht. Die Umsetzung der europäischen Feuerwaffenrichtlinie in das deutsche Waffengesetz war dementsprechend auch ein Schwerpunkt bei dem Treffen.

"Jäger und Schützen verfolgen ähnliche Interessen und sprechen eine gemeinsame Sprache. Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem DJV", sagt Hans-Heinrich von Schönfels.

Hartwig Fischer meint: „Wir brauchen das Netzwerk aller legalen Waffenbesitzer, um für deren Rechte gemeinsam einzustehen.“

DJV stellt Frage-Antwort-Papier vor und erläutert, warum der Wolf ins Bundesjagdgesetz sollte. Für die Entnahme von verhaltensauffälligen Wölfen sind Jäger die ersten Ansprechpartner, bewaffnete Eingreiftrupps lehnt der DJV ab.

Im Koalitionsvertrag hat sich die amtierende Bundesregierung dafür ausgesprochen, den Schutzstatus des Wolfes abhängig vom Erhaltungszustand zu überprüfen, um eine notwendige Bestandsreduzierung herbeiführen zu können. Maßnahmen für die Entnahme von auffälligen Wölfen sollen ebenfalls entwickelt werden. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat vor diesem Hintergrund vergangene Woche gefordert, den Wolf vom Naturschutzgesetz ins Bundesjagdgesetz zu überführen. Die Hintergründe erläutert der Dachverband der Jäger jetzt in einem Frage-Antwort-Papier.  "Es geht nicht um eine reguläre Bejagung, sondern um ein besseres Konfliktmanagement", sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer.

Mit einem Zuwachs der Wolfspopulation von rund 30 Prozent pro Jahr nehmen die Konflikte weiter zu - insbesondere mit Weidetieren. Diese müssen gelöst werden, sonst schwindet die Akzeptanz des Fleischfressers in der Bevölkerung. Das Naturschutzrecht ist als reines Schutzrecht konzipiert, hingegen ist das Jagdrecht in seiner Grundkonzeption sowohl Schutzrecht als auch Instrument zur Lösung von Konflikten und zum Ausgleich von Interessen. Mit dem Wolf im Jagdrecht wird eine Grundlage geschaffen, um bundesweit gültige Managementmaßnahmen auf Basis des Koalitionsvertrages der Bundesregierung zu erarbeiten.

Der DJV lehnt es vehement ab, dass Behörden bewaffnete, ortsunkundige Eingreiftrupps entsenden wollen. Wenn es um die Entnahme von Wölfen gehe, müsse immer der ortskundige Jäger erster Ansprechpartner sein, so DJV-Präsident Hartwig Fischer. Nur wenn der Jagdausübungsberechtigte notwendige Managementmaßnahmen nicht umsetzen könne oder wolle, sollten Behörden tätig werden.

Der Wolf ist bereits jetzt eine Herausforderung für Deichschutz, Grünlandwirtschaft und Landschaftspflege. Es ist inakzeptabel, dass der Wolf die schonende extensive Viehhaltung oder den Deichschutz erheblich einschränken könnte. Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen einige Fakten und Beispiele:

  • Wölfe haben seit vielen Jahren eine Vermehrungsrate von rund 30 Prozent jährlich. Das Wachstum ist exponentiell. Die Population verdoppelt sich in weniger als drei Jahren.
  • Dementsprechend nehmen auch die Nahkontakte von Wolf und Mensch zu. Wölfe haben keine genetisch verankerte Scheu vor dem Menschen. Seine Nutztiere gehören zu seinem natürlichen Beutespektrum. Der Wolf muss lernen: Halte dich vom Menschen und seinen Nutztieren fern.
  • Im Landkreis Cuxhaven haben Wölfe 2017 erstmals bundesweit Deichschafe gerissen. Einige haben sich sogar auf ausgewachsene Rinder spezialisiert. 2017 gab es 61 gerissene Kälber und Rinder in Niedersachsen - drei mal mehr als im Vorjahr.
  • Im Jahr 2007 haben Wölfe offiziell etwa 100 Nutztiere verletzt oder getötet, 2016 wurde die Grenze von bundesweit 1.000 Nutztieren erstmals überschritten.
  • Es ist unmöglich, tausende Kilometer Deich oder Weideland wolfssicher zu zäunen.

 

Frage- und Antwort-Papier zum Wolf

 

Vorbemerkung

Der Wolf polarisiert. Die Rückkehr des Wolfes hat vielfach positive Emotionen geweckt. Vor allem aus der Ferne betrachtet tendieren viele Menschen zu einer gewissen Euphorie. Anderseits führt die Rückkehr auch zu Konflikten im ländlichen Raum.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sowie der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) gab es im Monitoringjahr 2016/2017 60 Wolfsrudel mit jeweils fünf bis zehn Individuen, 13 Wolfspaare und drei residente Einzelwölfe. Die durch den Wolf am häufigsten besiedelten Bundesländer sind Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Der DJV schätzt den aktuellen Bestand an Wölfen im Frühjahr 2018 auf Grund bekannter Mittelwerte von Rudelzusammensetzung und -stärke auf etwa 800 Tiere in Deutschland.

Wie haben sich Übergriffe auf Nutztiere entwickelt?

Die Übergriffe auf Nutztiere haben in den vergangenen zehn Jahren rasant zugenommen. Waren es im Jahr 2007 etwa 30 Fälle, ist die Zahl im Jahr 2016 auf knapp 300 gestiegen. Die meisten Übergriffe fanden 2016 in Brandenburg (91), Niedersachsen (68), Sachsen und Sachsen-Anhalt (jeweils 44) statt. Im Jahr 2007 haben Wölfe etwa 100 Nutztiere verletzt oder getötet, 2016 wurde die Grenze von 1.000 Nutztieren erstmals überschritten.

In Niedersachsen haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt: Während es im Jahr 2016 251 Nutztierrisse gab, stieg die Zahl 2017 auf 488 an. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Risse von Kälbern und Rindern von 44 auf 61 gestiegen. Im wenig bewaldeten Kreis Cuxhaven wurden im Jahr 2017 95 Risse gemeldet, 22 davon Rinder. Daraufhin ist die Mindesthöhe für einen wolfssicheren Zaun von 1,20 auf 1,40 Meter erhöht worden. Doch auch diese Zaunhöhe haben Wölfe bereits übersprungen. Kritiker äußern, dass eine stufenweise Erhöhung der Zäune eher einen Trainingseffekt für die physisch robusten und intelligenten Wölfe darstellt.

Wie Zäune tatsächlich gebaut werden müssen, damit Wölfe sie nicht überwinden können, zeigt das Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums über Mindestanforderungen zur Haltung von Säugetieren (2014), etwa in Zoos. Es empfiehlt für Hundeartige wie den Wolf: "Es sind Umzäunung mit Überhang nach innen, auch glatte Wände bzw. Gräben möglich. Vor allem kleine Arten, wie Füchse und Schakale, aber auch Wölfe, wenn sie Kämpfen ausweichen wollen, klettern und springen äußerst hoch (bis zu 2,8 Meter). Fast alle Arten graben, deshalb sind die Umzäunung bzw. Wände mit Fundament und Untergrabschutz von mindestens 60 Zentimeter Tiefe zu versehen."

Nachdem er fast ausgerottet war, ist der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt. Nun wollen Jäger ihn wieder bejagen. Warum?

Es geht jetzt nicht darum, den Wolf zu bejagen, wie anderes Wild. Es geht darum, auffällige Wölfe erlegen zu dürfen. Auffällig sind Wölfe beispielsweise, wenn sie keine Scheu vor dem Menschen zeigen oder sich auf Nutztiere als Beute spezialisieren. Jagdrecht heißt nicht gleich Bejagung, der Wolf bliebe nach wie vor streng geschützt. Nur ein kleiner Teil der Arten, die im Jagdrecht sind, haben überhaupt eine Jagdzeit. Die anderen wie Fischotter, Luchs oder Seehund sind ganzjährig geschont. Durch die Verpflichtung zur Hege sind sie sogar besser geschützt als nach dem Bundesnaturschutzgesetz.

Das illegale Töten von Wölfen verurteilt der DJV und distanziert sich ausdrücklich von schwarzen Schafen, die Wölfe illegal töten. Leider erlangen diese lautstarken Ausnahmen die größte Aufmerksamkeit.

Warum soll der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden und nicht im Naturschutzrecht bleiben, obwohl er streng geschützt ist?

Mit einem Zuwachs der Wolfspopulation von 30 Prozent pro Jahr nehmen die Konflikte zu. Das Naturschutzrecht ist als reines Schutzrecht konzipiert, da geht es nur ganz am Rande um die Lösung von Konflikten. Das Jagdrecht hingegen ist von seiner Grundkonzeption sowohl Schutzrecht als auch Instrument zur Lösung von Konflikten und zum Ausgleich von Interessen. Mit dem Wolf im Jagdrecht wird eine Grundlage geschaffen, um bundesweit gültige Managementmaßnahmen auf Basis des Koalitionsvertrages der Bundesregierung zu erarbeiten. Wenn es um die "Entnahme" von Wölfen geht, ist das Jagdrecht das bessere Instrument. Jedenfalls, sofern es nicht nur um seltene Einzelfälle geht, wie im April 2016 in Niedersachsen und Februar 2018 in Sachsen.

Es ist wichtig, einen vernünftigen Umgang mit dem Wolf zu finden, insbesondere um die Akzeptanz in der Gesellschaft zu erhalten. Neben Herdenschutzmaßnahmen und Entschädigungszahlungen für Nutztierhalter wird dabei mittelfristig auch eine Entnahme eine Rolle spielen. Dafür sind die Jäger prädestiniert, denn nur sie sind flächendeckend vertreten, haben nötige Ortskenntnis, richtige Ausrüstung und Ausbildung. Der DJV lehnt Vorstöße wie in Brandenburg und Südwestdeutschland ab, über Behörden bewaffnete Eingreiftrupps installieren zu wollen. Nur wenn der Jagdausübungsberechtigte notwendige Managementmaßnahmen nicht umsetzen kann oder möchte, sollten Behörden eingreifen können.
 

Der Wolf ist doch in Anhang IV der FFH-Richtlinie und gar nicht im "günstigen Erhaltungszustand". Wie kann er dann ins Jagdrecht aufgenommen werden?

Auch Arten aus Anhang IV der FFH-Richtlinie und solche, die nicht im "günstigen Erhaltungszustand" sind, können ins Jagdrecht aufgenommen werden. Sie können allerdings keine Jagdzeit bekommen. Die FFH-Richtlinie schreibt nur ein bestimmtes Schutzniveau vor - wie die Mitgliedsstaaten das umsetzen bleibt ihnen überlassen. Einige Arten, die in Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet sind und keinen "günstigen Erhaltungszustand" haben, unterliegen in Deutschland bereits dem Jagdrecht, etwa Luchs, Wisent, Wildkatze oder Fischotter. Das ist europarechtlich zulässig, solange sie keine Jagdzeit bekommen.

Was ist der günstige Erhaltungszustand einer Population?

Der günstige Erhaltungszustand einer Art ist in der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) definiert. Man versteht darunter die Gesamtheit der Einflüsse, die sich langfristig auf die Verbreitung und die Größe der Population der betreffenden Art in einem bestimmten Gebiet auswirken können. Die Kriterien dafür sind in Art. 1 Buchst. i der FFH-Richtlinie genannt. Eine Art soll demnach langfristig überleben können, das Verbreitungsgebiet soll nicht kleiner werden und der Lebensraum ausreichend groß sein.

Die Kriterien orientieren sich an wildbiologischen Erkenntnissen. Gemäß des im Auftrag der EU-Kommission erarbeiteten Leitfadens der LCIE (2008) reichen 1.000 erwachsene Tiere für einen "günstigen Erhaltungszustand" einer isolierten Population aus. Bei einer Population, die im genetischen Austausch mit anderen Populationen steht - wie im Fall des sogenannten deutsch-polnischen Wolfsvorkommens -, gilt eine Grenze von 250 Tieren. Ländergrenzen spielen dabei keine Rolle. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geht derzeit von 150 bis 160 adulten Tiere allein in Deutschland aus, die Population umfasst aber auch Wölfe in Polen. Neue Zahlen für das Monitoringjahr 2017/2018 werden im September 2018 erwartet.

Der DJV bezweifelt daher, dass der Wolf noch nicht im "günstigen Erhaltungszustand" ist. Bei einer so anpassungsfähigen Art mit einer Vermehrungsrate von 30 Prozent pro Jahr kann daran kein Zweifel bestehen. Der Wolf ist auch international gesehen nicht gefährdet.

Sie fordern eine Anhangsänderung der FFH-Richtlinie für den Wolf in Deutschland. Warum?

Wir fordern eine Statusänderung von Anhang IV „streng geschützt“ zu Anhang V „bedingt geschützt“, mit der Möglichkeit des Verwaltungshandelns. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass jeder Jäger Wölfe jagen kann. Aber wir müssen den derzeitigen sehr schnell verlaufenden Veränderungen Rechnung tragen: Die Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe (wissenschaftlich korrekt: der Wolfsrudel) nimmt kontinuierlich zu, dies ist seit Jahren ein sehr dynamischer Prozess. Der Wolf breitet sich immer mehr auch in anderen europäischen Ländern aus. Wir wollen für die Zukunft vorbereitet sein. Unser Land ist dicht besiedelt. Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen werden immer wahrscheinlicher, die Konflikte nehmen zu. Die Praxis im Umgang mit anderen Tierarten, wie Biber oder Kormoran, die sich ebenfalls ausbreiten und dadurch zu vermehrten Problemen führen, hat gezeigt, dass ein frühzeitiges Handeln notwendig ist. Ausnahmen vom strengen Schutz sind in der Praxis nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich, wie verschiedene Verfahren aus Bayern und Brandenburg im Umgang mit dem Biber zeigen.

Nach unserer Auffassung erfüllt der Wolf nicht mehr die Kriterien für die Aufnahme in Anhang IV der FFH-Richtline, die in Art. 1 Buchst. g der FFH-Richtlinie niedergelegt sind. Das Bundesamt für Naturschutz sieht das allerdings anders.

Müssen Jäger Schadensersatz für gerissene Schafe zahlen, wenn er im Jagdrecht ist?

Schäden durch Wolfsrisse müssten auch bei einer Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht nicht gezahlt werden, weder vom Jagdpächter noch von der Jagdgenossenschaft. Denn Wildschadensersatz gibt es nur für Schäden an Grundstücken (einschließlich der darauf wachsenden Pflanzen), aber nicht für gerissene Weidetiere. Und außerdem sind Grundstückschäden gar nicht bei allen WIldtieren ersatzpflichtig, sondern nur bei denen, die ausdrücklich genannt sind: Schalenwild, WIldkaninchen und Fasanen. Die Rückkehr des Wolfes ist in erster Linie ein gesellschaftiches Anliegen. Daher sollten Weidetierhalter aus öffentlichen Mitteln entschädigt werden.

Kann der Wolf in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland überhaupt artgerecht leben?

Die Wiederansiedlung zeigt uns, dass der Wolf in unserer Kulturlandschaft bestens zurecht kommt. Er findet hier geeigneten Lebensraum und ausreichend Beute. Die Frage ist nicht, ob er artgerecht in der Kulturlandschaft leben kann, sondern ob er die Akzeptanz der Bevölkerung findet. Der Wolf muss lernen, sich von Menschen und Nutztieren fern zu halten.

Durch das Fehlverhalten von Menschen (z.B. Fütterung) werden Wildtiere in Siedlungsnähe gelockt und gewöhnen sich an den Menschen. Das muss unbedingt vermieden werden. Beispiel Wildschwein: Diese intelligente Spezies legt ein Verhalten in der Stadt an den Tag, das etwa die Berliner mehr oder weniger tolerieren. Es weiß, dass es nicht bejagt wird, sogar gefüttert wird und hat jegliche Scheu verloren. Außerhalb der Städte wird es bejagt und lernt dadurch, menschlichen Kontakt zu vermeiden.

Wenn wir es zulassen, wird der Wolf vermutlich jegliche Räume wieder besiedeln. Der Wolf ist eine neugierige Art, er testet seine Grenzen aus. Es ist kein Zufall, dass der Wolf auch nachts in Städten gesichtet werden kann, wie jüngst in Walsrode. Dieses Verhalten wird jedoch von der Bevölkerung nicht akzeptiert.

Kann man Herden im Alpenraum und an Deichen schützen?

Wirksame und durchführbare Lösungen gibt es derzeit noch nicht, es gibt ein Pilotprojekt in Schleswig-Holstein. Schäferverbände gehen davon aus, dass sich Deichschafe grundsätzlich vor Wölfen schützen lassen, wenn genügend Geld für Personal und Sachmittel zur Verfügung steht. Dann müssten sich allerdings auch die Bewirtschaftungsformen ändern: So müsste tagsüber eine Behütung der Schafe, ggf. auch mit Herdenschutzhunden, stattfinden und nachts jeweils eine Einpferchung. Problematisch könnte das Verhalten von Herdenschutzhunden in Deichbereichen sein, die auch touristisch genutzt werden. Bei den Almen ist die Situation noch anspruchsvoller.

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