Mein erstes Jagderlebnis mit meinem Sohn

An einem Sommerabend im Juli habe ich mich entschlossen, meinen 6 Jahre alten Sohn, mit auf einen abendlichen Pirschgang, durch ein Feldrevier, nahe Niederfinow mitzunehmen. Mein Sohn fragte mich schon des öfteren, ob er mit auf die Jagd kann. Er interessiert sich sehr für die Natur und die damit verbundene Jagd. Ohne große Gedanken zu verschwenden, nahm ich ihn an einem Samstagabend, mit raus auf die Jagd. Da es Wochenende war, hatten wir beide auch keinen Zeitdruck und er konnte ausnahmsweise mal etwas länger aufbleiben. Außerdem sah ich es als praktischen Sachkundeunterricht. Der Jagdpächter gab mir einen Rehbock in diesem Revier frei und so konnte ich und mein Sohn voller Erwartungen starten. Das Feldrevier ist landschaftlich sehr schön, durch die Eiszeit, geprägt. Es ist mit verschiedenen Biotopen strukturiert. Kleine Waldinseln, Wasserlöcher, Hügel und große Freiflächen wechseln sich in dem Feldrevier ab. Also optimale Voraussetzung zum Pirschen.

#jaeben19 (Quelle: Baumann/privat)
#jaeben19 (Quelle: Baumann/privat)

Ich stellte mein Auto auf einer Pflasterstraße, an der äußersten Grenze des Jagdbezirkes ab, damit hatten wir die Möglichkeit einen lange Pirschstrecke zurückzulegen. Das Wetter war optimal. Der Wind stand gut und die Luft roch angenehm sommerlich. Wir rieben die nicht durch die Kleidung abgedeckten Körperstellen mit Salbei ein und starteten den Pirschgang auf Socken. Durch diese Vorbereitung erkannte mein Sohn zum ersten Mal die Zusammenhänge der Jagd und den Sinnesorganen der Wildtiere. Wir gingen die Pflasterstraße entlang und da war die erste Begegnung mit einem Wildtier der besonderen Art. Mein Sohn und ich erstarrten, denn auch für mich war es das erste Mal, dass ich einem Wildtier so nah gegenüberstand. Es kam unverhofft aus der Randbepflanzung von der Pflasterstraße direkt auf uns zu und blieb fünf Meter vor uns stehen. Der Herr Schmalzmann bestaunte uns und ging dann im Trap davon. Grund für die Begegnung war der ca. 100m entfernte Dachsbau und die damit verbundene abendliche Futtersuche. Mein Sohn war fasziniert und staunte das der Dachs uns erst so spät erkannte. Ich erklärte ihn, dass Dachse zwar eine gute Nase haben, allerdingst dafür schlecht sehen können. Nach diesem Ereignis gingen wir auf einen Wiesenweg, der zu einer Waldinsel führte. Es war vorteilhaft, nur auf Socken zu laufen. Zum einem waren wir recht leise unterwegs und zum anderen war es doch sehr angenehm bei diesen warmen Temperaturen. Die Waldinsel lag auf einer Erhöhung und so hatten wir die Möglichkeit eine große Fläche einzusehen. Von dieser Position hatte ich Anblick auf eine Ricke mit Kitz, die in ca. 300 Meter ästen. Ich wartete darauf das auch mein Sohn dies erkannte und mich dann darauf hinwies. Mein Sohn tippte mich an und sagte: Papa guck mal da ist eine Ricke mit Kitz. Dieses Bild kannte er aus Kinderbüchern, wo ich ihm viele Sachen erklären konnte. Auch daher kannte mein Sohn die verschiedenen Begriffe wie Ricke und Kitz. Die nächste Frage meines Sohnes war: Darfst du die Ricke schießen. Ich erklärte ihm das diese erst ab September offen sind und jetzt Schonzeit haben. Des Weiteren erklärte ich ihm den Grund der Schonzeiten. Wir pirschten vorsichtig bis zu einem Waldrand weiter. Immer dann, wenn die Ricke und ihr Kitz ästen gingen wir auf meine Anweisungen Schritt für Schritt weiter. Äugten die beiden uns an blieben wir stehen und erfuhr mein Sohn was ein Bewegungs-Seher ist. Als wir an dem Waldrand ankamen ging die Sonne unter und wir sahen einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Wir warteten noch eine Weile und beobachteten die Ricke mit ihrem Kitz. Im letzten Büchsenlicht pirschten wir zur Waldinsel zurück und uns wehte eine leichte Brise ins Gesicht. Der typische sommerliche Abendgeruch kam auf und es kühlte sich ab. Kurz vor der Waldinsel sahen ich und mein Sohn einen Rehbock der eine Ricke trieb. Dieser war allerdings noch zu weit entfernt. Das Gelände ging leicht bergauf und so versuchten wir uns in geduckter Haltung ran zu pirschen. Als wir nah genug dran waren schaute ich hoch und traute meinen Augen nicht. Ich nahm meinen Sohn an die Hand und wir standen Beide wie angewurzelt da. Der Rehbock und die Ricke waren nicht mehr zu sehen, stattdessen stand mit voller Pracht ein Rothirsch auf etwa 30 Metern vor uns. Er äugte uns an und war wahrscheinlich genauso überrascht wie wir. Erst als wir uns wieder bewegten ging er ab. Wir beide waren sehr fasziniert von diesem Anblick. Als wir dann im Dunkeln am Auto ankamen fragte mein Sohn gleich, wann wir das nächste Mal auf Jagd gehen können. Dieser Jagdtag hat meinen Sohn und mich doch sehr geprägt und wir haben danach noch viele weiter Erlebnisse gehabt. Es ist schön, wenn man solche faszinierenden Erfahrungen teilen kann.

Von Thomas Baumann