Klare Worte auf der zweiten Regionalkonferenz in Münster

Für wieviel Unmut der rot-grüne Gesetzesentwurf bei den Jägern sorgt, haben gestern mehr als 2.500 Mitglieder des LJV NRW auf der zweiten Regionalkonferenz in Münster gezeigt. Die größte Veranstaltungshalle im Münsterland konnte dem Ansturm nicht gerecht werden - die Argumente der für den Entwurf verantwortlichen Politikerinnen und Politiker scheiterten ebenfalls bei Jägerinnen und Jägern und Vertretern des ländlichen Raums.

 

Volles Haus in der Halle Münsterland bei der zweiten Regionalkonferenz des LJV NRW (Quelle: DJV)
Volles Haus in der Halle Münsterland bei der zweiten Regionalkonferenz des LJV NRW (Quelle: DJV)

Auf der zweiten Regionalkonferenz des Landesjagdverbandes NRW in Münster haben mehr als 2.500 Jägerinnen und Jäger klar Stellung gegen den Gesetzesentwurf von Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis90/Die Grünen) bezogen. LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg diskutierte 15 kritische Punkte des Entwurfs, die von den Jägern in NRW nicht mitgetragen werden können, darunter die Einführung einer Jagdsteuer, die radikale Kürzung des Kataloges der jagdbaren Arten sowie ein Verbot der Baujagd.

Im Verlauf der Diskussion wurden Argumente von rot-grünen Regierungsvertretern aufgrund mangelnder Fach- und Sachkenntnis mehrfach ausgepfiffen. So offenbarte Grünen-Politiker Norwich Rüße, dass ihm wissenschaftliche Studien zum Einfluss von Katzen auf die Artenvielfalt nicht bekannt seien. Die grüne Politikerin Manuela Grochowiak-Schmieding begab sich beim Thema „bleifreie Munition“ auf Glatteis, indem sie sagte, dass es „bislang keine unschädliche, untere Grenze für den Bleieintrag in das Wildbret“ gebe.

LJV-Präsident Müller-Schallenberg gelang es, die anwesenden Jägerinnen und Jäger hinter sich zu bringen. Vertreter der Landesregierung räumten bei konfliktträchtigen Themen, wie etwa der Hundeausbildung an der lebenden Ente, Gesprächsbereitschaft ein. Grünen-Abgeordnete und Jägerin Manuela Grochowiak-Schmieding bestätigte sogar die Alternativlosigkeit der Methode: „Als Jägerin, die selbst Jagdhunde ausgebildet hat, halte ich die Ausbildung an der lebenden Ente für unverzichtbar.“

Gesprächsbereit zeigte sich die rot-grüne Regierung weiterhin bei den Themen Katalog jagdbarer Arten und Jagd in Schutzgebieten. Müller-Schallenberg demonstrierte Entschlossenheit und Kampfeswille: „Wir stehen für die Jagd in NRW, für Land und Leute und wir fordern: Schluss mit den Verboten! Aber ich sage auch in aller Deutlichkeit: Wer den Kampf auf dem Lande will, der kann ihn haben.“

Geplant sind drei weitere Regionalkonferenzen: 

Regierungsbezirk Düsseldorf
Dienstag, 21. Oktober, 19 Uhr, Niederrheinhalle, An de Tent 1, 46485 Wesel

Regierungsbezirk Arnsberg
Dienstag, 28. Oktober 2014, 19 Uhr, Stadthalle Werl, Grafenstraße 27, 59457 Werl

Regierungsbezirk Detmold
Dienstag, 18. November 2014, 19 Uhr, Rudolf-Oetker-Halle, Lampingstraße 16, 33615 Bielefeld

Die Veranstaltung wurde von 2.500 Jägerinnen und Jägern besucht. Etwa 1.500 Interessierte verfolgten die Konferenz über den Live-Ticker des DJV im Internet.


Fotos zur zweiten Regionalkonferenz des LJV NRW

Teilnehmer der Regionalkonferenz in der Halle Münsterland 2014
Norwich Rüße, Bündnis 90/Die Grüne: Regelung zur Erweiterung der Flächenherausnahme für juristische Personen (Vereine) ist aus Sicht der Grünen sinnvoll. Vereine, die in der Satzung Jagd ablehnen würden, könnten bei eigenen Flächen ebenfalls ihre Flächen befrieden lassen.
Hans-Jürgen Thies, Justiziar des LJV NRW: „Juristische Personen haben kein Gewissen. Eine Ablehnung der Jagd aus Gewissensgründen geht nicht. Zur Wiedereinführung der Jagdsteuer kurz und knapp: Das ist mit uns nicht zu machen! Mit Blick auf die Leistung der Jäger für die Gesellschaft insbesondere bei der Fallwildentsorgung wäre die Wiedereinführung der Jagdsteuer eine große Ungerechtigkeit.“
Astrid Birkhahn (CDU): „Ich bin keine Jägerin, aber bei dem vorliegenden Entwurf muss man sich wirklich fragen, gibt es einen Tierschutz erster Klasse und einen Tierschutz zweiter Klasse? So kann es nicht gehen! Diese Landesregierung hat es schon zwei Mal geschafft, ein Gesetz gegen Mehrheiten durchzubekommen, also lassen Sie sich so nicht beschwichtigen, Sie müssen hier kämpfen!“
Annette Bunse (CDU): „Wir stehen zu unserem Wort. Eine Erhebung der Jagdsteuer wird es mit uns nicht geben.“
Annette Watermann-Krass (SPD, Kreis Warendorf, Umweltausschuss): „Ich selbst bin Mitglied der Jagdgenossenschaft durch Hofbesitz meiner Eltern. Zum Landesjagdgesetz: Die SPD hat auf Bundesebene ganz klar gesagt, nach der Klage auf Europäischer Ebene, es geht nur für natürliche Personen (Gewissensfreiheit) und das sagen wir noch immer! Wir bekommen viele Zuschriften zum Gesetz – auch sehr viele positive. Von Forstseite wird gesagt: Verbissgutachten ist gut, Mindestabschuss ist gut, Verkürzung der Pachtdauer ist gut. Wir müssen darüber reden.“
LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg: „Wir machen hier und heute und künftig keine Fasel- oder Quasselrunde. Sondern es geht ganz konkret um etliche Punkte, die nie und nimmer unsere Zustimmung finden können. Wir erwarten heute konkrete Antworten auf unsere Forderungen. Sie sagen beim Gesetz geht es darum, die gesamte Gesellschaft zu hören, draußen stehen 20 von denen, die sie als gesamte Gesellschaft bezeichnen und die für ihr Gesetz sind. Hier sind 2.000 Leute im Raum, die das anders sehen!“
Manuela Grochowiak-Schmieding, Bündnis 90/die Grünen: „Ich bin grüne Landtagsabgeordnete und zuständig für Sozialpolitik. Wenn ein Gesetzesentwurf eingebracht wird, das Kabinett passiert hat und beraten wird, wird die eine oder andere Änderung erfolgen, aber - das möchte ich ganz klar sagen - wer glaubt, dass ein Gesetzesentwurf mit 100-Prozentiger Änderung passiert wird, der verweigert sich einer konstruktiven Diskussion. Wer glaubt, alles wieder umändern zu können, der ist leider schief gewickelt. Der Schießnachweis dient dem Tierschutz. Was das Thema bleifrei betrifft: Es hat sich gezeigt, dass sie keine Negativauswirkung hat. Fragen Sie auch im Staatsforst NRW, es gibt genug Leute, die damit Erfahrung gesammelt haben und die Ihnen damit unter die Arme greifen. Ganz abgesehen davon, es gibt bislang keine unschädliche, untere Grenze für den Bleieintrag ins Wildbret.“
Norbert Meesters, umweltpolitischer Sprecher der SPD: „Ich muss sagen, ganz glücklich kann man mit dem Entwurf nicht sein, wie er jetzt vorliegt. Wir wollen Jagd ideologiefrei und mit Augenmaß weiterentwickeln.“
Rund 20 Jagdgegner mit Fahrrad: Ist das der gesellschaftliche Wille für ein ökologisches Jagdgesetz? 2.000 Jäger im Saal sehen das anders!
Carsten Löcker (SPD): „Die SPD setzt sich dafür ein, dass bei dem Punkt Jagd in Schutzgebieten ein Einvernehmen mit der unteren Jagdbehörde beibehalten wird.“
Werner Jostmeier (CDU): „Diese Regelung mit den Kleinvereinen ist überflüssig wie ein Kropf!“
Klaus Jacobi (Waidgenossen SPD) fordert die Politiker auf, heute unter die Jagdsteuer einen Strich zu machen, man habe ganz andere strukturelle Problem, die Jagdsteuer mache die Kuh nicht fett. Der Wegfall der Jagdsteuer sei eine Anerkennung für die gesellschaftlichen Dienste der Jäger.
Josef Westermann (Jagdgebrauchshundverband): „Ich bilde seit 40 Jahren Jagdhunde aus. Der Einsatz von brauchbaren Jagdhunden ist zu prüfen. Es gibt Leute aus Australien, die hierher kommen, um ihre Hunde zu prüfen. Unser Jagdhundeausbildungssystem ist das Beste weltweit!“
Die zweite Regionalkonferenz des LJV NRW in der Münsterlandhalle wurde mit lautem und harmonischem Jagdhörnerklang verabschiedet.

Live Blog LJV NRW Zweite Regionalkonferenz, Münster, 9. Oktober 2014