Ein Wildlife-Fotograf unter Jägern

Ich habe zusammen mit Daniel Knaut ein Wochenende im Spessart mit Jägern gewonnen. Dieses stand unter dem Motto „Gemeinsam Jagd erleben“.

#jaeben19 (Quelle: Hohmann/privat)
#jaeben19 (Quelle: Hohmann/privat)

Einige meiner „Freunde“ sagten ja schon „Wie? Ein Wochenende mit Jägern? Die töten die Wildtiere“ und kündigten mit daraufhin die Freundschaft.

Klar schießt ein Jäger Tiere, nimmt sie auch selber aus und fast alle verwerten das Fleisch selber.

Was macht ein Jäger aber noch, worauf muss er achten und sitzt er wirklich nur im Wald und starrt dort nur in die Schonungen um was zu „töten“ ???

Mit vielen Fragen und Zweifel fuhren wir am Freitag, den 25.10.2019, zum Forsthaus Zieglerfeld. (Übrigens ein sehr altes Forsthaus, das wunderschön restauriert wurde). Der Empfang alleine war schon erfüllt mit Freundlichkeit und sehr viel Herz. Nach und nach kamen auch die anderen Jäger mit ihren Nicht-Jägern an. Darunter waren Jägerin Jule Schmidt und Jäger Jens Schreiber. Auch ihre Hunde waren Bestandteil ihres Gepäcks. Hunde, dachte ich mir so, Hunde sind ja nun wirklich nicht mein Fall. Aber sie gehören zum Jäger dazu, wie bei mir das Objektiv. Alles wird gut, dachte ich mir und hielt die Luft an. Jedoch stellte ich in den folgenden Tagen fest, dass Jagdhunde die Best erzogensten Hunde sind, die ich je erlebt habe. Ich habe mich auch in zwei verliebt. (Hätte fast den einen oder anderen mit nach Hause genommen.)

Nach einer herzlichen Begrüßung und dem ersten Kennenlernen, ging es zum Abendansitz. Leider wollte das Wild aber nicht so wie wir und ein Fuchs war dann der einzige Abschuss. Wildlife ist kein Laden, wo alles im Regal steht und man sich einfach nimmt was man möchte. Dies haben wir dann auch bei den anderen Ansitzen festgestellt. Nur ein Reh wurde am Samstag noch erlegt. Es reichte aber aus, um der ganzen Truppe, wir waren 12 Personen, ein richtig tolles Essen zu zaubern. Wenn ich schreibe, das es toll war, untertreibe ich es. Ich habe noch nie, wirklich nie, ein so märchenhaftes Wildgericht gegessen. Traumhaft.

Hier habe ich mitbekommen, dass es zum einen nicht gerade leicht ist für eine Mahlzeit Fleisch auf den Teller zu bekommen, und zum anderen es kein gesünderes Essen gibt wie Wild das sich von Kräutern und Gräsern ernährt ohne Antibiotikum und Zusatzstoffen als auch das dieses Reh zu 99% verwertet wurde.

Nachmittags bekam ich dann aber auch Tipps von den Jägern wie ich noch besser Wildtiere aufspüren kann und erhielt auch einen größeren Einblick in die Arbeit eines Jägers und Försters (Wege von Bäumen befreien und offenhalten - Abstürzende Äste beseitigen bevor sie jemand abbekommt - Wildfütterung gerade im Winter - Kampf dem Borgenkäfers - uvm…).

Die Ausbildung eines Hundes zum Jagdhund und die Verantwortung des Jägers gegenüber der Bevölkerung.

»Dies sollte ich am Sonntag mit eigen Augen noch erleben.«

Interessante Einblicke bekam ich auch in die Technik der Schusswaffen. Dank Peter Beer und Jochen Sauter die sie mir mit viel Geduld erklärt haben. Von der Waffenkunde bis zur Munition haben sie mir alles erklärt.

Nach dem Abendansitz, den ich jedem gestressten Menschen empfehlen kann (Ruhe, gesunde reine Luft, Mitten in der Natur) saßen wir noch lange in einer geselliger Runde zusammen.

Der Sonntag war aber für mich der Höhepunkt. Ansitz in stockdunkler Nacht. Langsam ging die Sonne auf und tauchte die Wolken in ein brennendes Rot. Blickrichtung auf eine Schneise, wo wir das Grunzen von Wildschweinen hörten.

Spannung pur. Licht reichte aber weder für ein Foto noch für einen gezielten Schuss. Licht, Licht, bitte Licht. Doch die Rotte verschwand. Aber es gab ja noch eine Riegeljagd danach.

Als „Nichtjäger“ könnte man meinen, das dabei Schokoriegel bejagt werden. (Die, die immer heimlich durch den Wald huschen. :) SCHERZ)

Frage - Antwort : Die Schützen stehen an verschiedenen sicheren Positionen und Hundeführer laufen in sicherer Entfernung, wobei der Hund immer in den Dickungen stöbert.

Hier bekam ich erst mal einen Schreck. Wanderer abseits der Wege. Pilzsucher im Dickicht, angezogen in Farben die nicht mal mir aufgefallen sind. Hier ist es aber wieder aufgefallen, wie gut die Ausbildung des Jägers ist. Gefahren erkennen und nie einen Schuss abgeben, wenn das Ziel nicht zu 100% auszumachen ist. Diese Jagd war für mich der Höhepunkt des Wochenendes.

Ich bin Glücklich, das ich an diesem Wochenende teilnehmen durfte.

Vielen lieben Dank noch mal an alle Sponsoren, Teilnehmer, Helfer und Beteiligten.

PS: Wer jetzt bis hierhergekommen ist und den ich noch „meinen Freund“ nennen darf, gebe ich folgende Tipps die ich selber einhalten werde.

1. Selbst als Tierfotograf könnt ihr euch etwas Oranges anziehen. Der Jäger erkennt euch auch im Wald und die Tiere erkennen Orange nicht. Für sie ist es ein Schwarz (Google Nachtaktive Tiere und Farberkennung)

2. Dank der Jäger und Förster gibt es weniger Unfälle mit herabstürzende Äste und abgestorbene Bäume. Auch die Tiere überstehen die Winter besser und verhungern nicht.

Borgenkäfer hätten schon viel mehr Bäume angegriffen und die Rehe würden mehr junge Triebe an den Bäumen fressen.

3. Kranke Tiere würden sich gegenseitig anstecken und/oder vermehren. Aber auch Waschbären und andere Tiere die nicht Heimisch sind wären schon eine größere Plage.

4. Fleisch wächst nicht im Supermarkt.

In diesem Sinne - LG Ralf der Fotojäger