Bloß nicht bewegen: Wo Wildtiere an heißen Sommertagen ausharren

Erdhöhlen und Wasserlöcher sind begehrte Plätze

Bis 34 Grad Celcius sind für das kommende Wochenende vorhergesagt: Badeseen oder Freibäder versprechen Abkühlung. Ähnlich geht es den Wildtieren in Wald und Feld. Auch dort nimmt rund um schlammige Pfützen und Wasserlöcher der Andrang zu: Ein ausgedehntes Schlammbad ist besonders bei Wildschweinen beliebt. Zwischen ihren starren Borsten bleibt die feuchte Erde besonders gut kleben und kühlt so die Haut der Tiere. “Trocknet der Schlamm zur harten Kruste, schützt er sie zudem vor Mücken und anderen lästigen Blutsaugern”, erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV).

Auch das Rotwild suhlt sich bei steigender Temperatur gern im Schlamm oder stellt sich in Ufernähe bis zum Bauch ins kalte Wasser. Weil Reh, Fuchs, Marderhund oder Waschbär zum Trinken ebenfalls Wasserlöcher aufsuchen, finden sich dort häufig Spuren. Besonders nach kräftigen Gewittergüssen kann der Jäger im aufgeweichten Boden gut die Fährten des Wildes lesen. Bleibt der Regen aus, ist der Jäger angehalten, Suhlen für das Wild künstlich anzulegen. “Zur Jagd gehört auch die Hege. Wir sorgen dafür, dass es den Tieren gut geht”, sagt Reinwald.

Bei Dachs oder Kaninchen wirkt das eigene Heim an heißen Tagen, als sei es mit einer Klimaanlage ausgestattet. Die Erdbewohner bleiben tagsüber dösend im schattig kühlen Bau und verlassen diesen nur in den Morgen- und Abendstunden, wenn sie sich zur Nahrungssuche aufmachen.

Feldhasen, die überirdisch in einer kleinen Erdkuhle, der sogenannten Sasse liegen, strecken ihre langen Läufe, wie der Jäger sagt, von sich. Weil die meisten Wildtiere keine oder nur wenige Schweißdrüsen haben, geben sie ihre Wärme über Körperteile ab, die nur wenig behaart sind – etwa Brustkorb, Bauch, zwischen den Vorderbeinen oder an den Lenden. Zusätzlich nutzen Hasen ihre langen Ohren, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Die gut durchbluteten Löffel wirken wie eingebaute Wärmetauscher.

Besonders lethargisch wird auch der Siebenschläfer. Obwohl er bereits neun Monate von Herbst bis Frühjahr verschlafen hat, legt das knopfäugige Nagetier auch an heißen Sommertagen einen Schlummerschlaf ein. Dabei achtet er nicht nur darauf, sich möglichst wenig zu bewegen. Um Energie zu sparen, fährt er sogar seinen Stoffwechsel auf ein Minimum herunter.

Nur der Rehbock kann in dieser Zeit kaum mit seinen Reserven haushalten: Je heißer es mitten im Sommer ist, desto liebestoller läuft er dem weiblichen Rehwild, der Ricke, nach. Es ist Paarungszeit der Rehe. Stundenlang und bis zur totalen Erschöpfung verfolgt der Rehbock die Angebetete – und nimmt dabei einige Kilogramm ab. Die Liebeshormone vernebeln den Rehen die Sinne derart, dass sie in der Hauptferienzeit tagsüber oft blind über Straßen und Autobahnen wechseln. “In dieser Zeit sollten Autofahrer besonders aufmerksam sein”, warnt Reinwald vom DJV. “Denn auf ein Reh folgt meistens direkt das Nächste.”

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