Wenn die Bache zum Angriff bläst

Familienzuwachs bei den Wildschweinen. Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) empfiehlt, Wald- und Feldwege nicht zu verlassen und Hunde beim Spaziergang anzuleinen. Kommt es dennoch zum Aufeinandertreffen gilt: Wildschweine haben immer Vorfahrt.   

Bache mit Frischlingen (Quelle: Niesters/DJV)
Bache mit Frischlingen (Quelle: Niesters/DJV)

Derzeit erblickt der Wildschweinnachwuchs in Brandenburgs Wäldern und Fluren das Licht der Welt. Nach einer Tragzeit von drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen werfen die Bachen bis Ende Februar ein bis acht Frischlinge, die drei Monate gesäugt werden. In den ersten Tagen nach der Geburt dulden die weiblichen Wildschweine keine Artgenossen in ihrer Nähe. Sie verlieren sogar die Scheu vor den Menschen und greifen mitunter sogar an, wenn sich jemand dem sogenannten Wurfkessel nähert.

„Zwischen Bache und ihre Frischlinge zu geraten, kann für Spaziergänger und Hunde gefährlich werden. Wir empfehlen deshalb dringend, die Wald- und Feldwege nicht zu verlassen und Hunde ausschließlich angeleint mitzuführen“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des LJVB. „Spätestens wenn die Wildschweinmutter laut die Atemluft ausstößt, ist Gefahr in Verzug. Damit stellt die Bache unmissverständlich klar, dass sie mit vollem Einsatz bereit ist, ihre Frischlinge zu verteidigen.“, so Baumann weiter.

Wildschweine leben in Familienverbänden, sogenannten Rotten. Nur erwachsene Keiler sind Einzelgänger. Die Tiere vermehren sich sehr stark. Ihre Reproduktionsrate liegt bei bis zu 300 Prozent! Besonders problematisch sind die Schäden in der Landwirtschaft. Daher ist eine intensive Bejagung notwendig, auch als eine wichtige Präventionsmaßnahme im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) und andere Tierseuchen. 

Brandenburger Jäger haben im Jagdjahr 2014/15 insgesamt 70.857 Wildschweine erlegt, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 12 Prozent.

Wildschweine sind anpassungsfähige Generalisten und profitieren deshalb besonders stark vom Klimawandel. Dieser sorgt indirekt für ein immer üppigeres Nahrungsangebot: Eichen und Buchen produzieren in immer kürzeren Abständen mehr Früchte. Heranwachsende Wildschweine überleben so selbst harte Winter und erwachsene Tiere können Energiereserven für die Fortpflanzung anlegen.

Ein anderer Grund für wachsende Wildschweinbestände sind die tiefgreifenden Veränderungen in der Kulturlandschaft in den vergangenen 30 Jahren. Sie haben den Wildschweinen mehr Deckung und energiereiches Futter beschert – Stichwort Energiepflanzenanbau. Zudem sorgt der derzeit laufende Umbau zu naturnahen Wäldern mit hohem Buchenanteil in den nächsten Jahrzehnten großflächig für zusätzliche Nahrung.