Wölfe haben keine angeborene Scheu vor dem Menschen | Deutscher Jagdverband

Wölfe haben keine angeborene Scheu vor dem Menschen

Anlässlich des DJV-Beitrags beim Sat1-Frühstücksfernsehen nimmt der Dachverband der Jäger Stellung zum Wolf in Deutschland.

Populationswachstum: 30 Prozent pro Jahr. (Quelle: Rolfes/DJV)
Populationswachstum: 30 Prozent pro Jahr. (Quelle: Rolfes/DJV)

(Berlin, 24. Oktober 2017) Der Deutsche Jagdverband (DJV) und die organisierte Jägerschaft in den Ländern registrieren, dass von der Politik Forderungen immer lauter werden, den Wolf ins Jagdrecht zu überführen, um ihn zu regulieren. Die Politik muss dann aber auch den rechtlichen Rahmen dafür schaffen. Das ist nicht die Aufgabe der organisierten Jägerschaft. Ihre Aufgabe ist es, auf Herausforderungen hinzuweisen sowie Daten und Fakten zu liefern.

Zu den Fakten:

  • Im Landkreis Cuxhaven haben Wölfe kürzlich die ersten Deichschafe gerissen. Wölfe haben sich sogar auf ausgewachsene Rinder spezialisiert. Im September 2017 wurde in Niedersachsen jeden zweiten Tag ein Rind von Wölfen getötet. Hierfür braucht es praktikable Antworten von der Politik.
  • Wölfe haben inzwischen eine Vermehrungsrate von über 30 Prozent jährlich. Das Wachstum ist exponentiell.
  • Dementsprechend wird auch die Wahrscheinlichkeit zunehmen, dass Menschen in Kontakt mit Wölfen kommen. Wir müssen den Wolf als Wildtier behandeln. Das heißt auch, ihm Respekt zu vermitteln. Er muss lernen, sich von Menschen und seinen Nutztieren fernzuhalten. Denn Wölfe haben keine genetisch verankerte Scheu vor dem Menschen oder seinen Nutztieren.
  • Der Wolf ist eine Herausforderung für Deichschutz, Grünlandwirtschaft und Landschaftspflege. Es ist inakzeptabel, dass der Wolf das Aus für schonende extensive Viehhaltung oder den Deichschutz bedeuten könnte.
  • Fest steht: Es ist unmöglich, tausende Kilometer Deich oder Weideland wolfssicher zu zäunen. Zudem besteht die Gefahr einer Verdrahtung der Landschaft, die dem Gedanken einer Biotopvernetzung widerspricht.
  • Die oft von Politikern genannte Zahl von 1.000 geschlechtsreifen Wölfen wurde ursprünglich von Biologen festgelegt. Und zwar für die kleinste überlebensfähige Population eines großen Säugetiers. Wölfe kennen allerdings keine Ländergrenzen, wir müssen den Erhaltungszustand länderübergreifend beurteilen. Deutschland ist ein Einwanderungsland: Aus Frankreich, Italien und Polen drängen Wölfe zu uns. Sollen wir denen verbieten, sich zu verpaaren? Die derzeitige Populationsdebatte geht an der Realität vorbei.
     

Der Druck von betroffenen Menschen auf die Politik wächst und Lösungen sind gefragt. Am Ende des Tages kommen wir nicht am Instrument Jagd als Managementmaßnahme vorbei. Die Weichen muss allerdings die Politik in Deutschland stellen. Die europäische FFH-Richtlinie lässt dies zu - die deutsche Politik muss die Spielräume besser nutzen. Das ist auch mit dem hohen Schutzstatus des Wolfes vereinbar, wie das Beispiel Schweden zeigt.

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