Rothirsch (Cervus elaphus) | Deutscher Jagdverband

Rothirsch (Cervus elaphus)

Auch: Edelwild

Der Rothirsch ist die größte freilebende heimische Wildart. Der Hirsch wird auch als König des Waldes bezeichnet, eigentlich nicht zutreffend, denn früher besiedelte das Rotwild vor allem Steppen. Es wurde nach und nach durch den Mensch verdrängt und dadurch zum Waldbewohner. Nun wird auch dort der Platz eng. Durch immer weiteren Straßenbau und intensive Landwirtschaft wird der Lebensraum des Rotwilds zunehmend kleiner.

Rothirsch mit Kühen (Quelle: Rolfes/DJV)
Rothirsch mit Kühen (Quelle: Rolfes/DJV)

Kennzeichen

  • In Jägersprache wird die Art auch Rotwild genannt
  • Männliche Tiere (Hirsche) erreichen in Europa bis zu 250 kg Lebendgewicht, weibliche Tiere (Hirschkühe) deutlich weniger, Schulterhöhe beim Hirsch bis zu 150 cm, beim weiblichen Tier bis 120 cm
  • Das Sommerfell ist rotbraun, daher leitet sich auch der Name Rothirsch ab, das Winterfell ist dunkelgrau bis braungrau
  • Zu Beginn der Paarungszeit (Brunftzeit) im September, tragen die älteren Hirsche am Hals eine mächtige Brunftmähne, die er beim Haarwechsel im Frühjahr wieder verliert
  • Die Hirsche tragen ein Geweih, das bis zu 15 kg schwer werden kann. Es wird Ende Februar bis April abgeworfen und bis zum Frühherbst wieder komplett aufgebaut, das Geweih wird ab den Monaten Juni/Juli gefegt, d.h. Hirsche reiben dann die fellähnliche Haut, den sogenannten Bast, der das Geweih zur Nährstoffversorgung während des Wachstums umhüllt, an Stämmen und Zweigen ab.
  • Hirschkühe tragen wie die Kälber kein Geweih, diese werden daher auch als Kahlwild bezeichnet

Unterschiede zu anderen Cerviden

Hirschkuh
Rehwild Rotwild Damwild
Kleinste Hirschart mit einer Schulterhöhe zwischen 54 und 84 cm. Sie zählen zum sogenannten Schlüpfertypus, die Kruppe liegt höher als der Widerrist. Zählt zu den echten Hirschen, Schulterhöhe von 120 bis 150 cm, Hirsche können bis zu 250 kg Lebendgewicht erreichen, besonders ist ihr rotbraunes Sommerkleid. Leichter als der Rothirsch mit eine Schulterhöhe von 80 bis 100 cm, sie sind leicht an ihrem weiß gefleckten Sommerkleid zu erkennen.

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)  Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)  Familie: Hirsche (Cervidae) und Unterfamilie: echte Hirsche (Cervinae) 

  • Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst Europa und Zentral- und Westasien sowie Nordafrika. Rothirschreiche Länder in Europa sind v.a. Großbritannien (insb. Schottland), Deutschland, Österreich und Spanien
  • Der Rothirsch darf per Gesetz in einigen Bundesländern Deutschlands nur in behördlich festgelegten Gebiete, den sogenannten Rotwildbezirken, vorkommen. Außerhalb dieser Gebiete gilt zum Teil ein strenges Abschussgebot
  • Nach dem Elch ist das Rotwild die größte Hirschart Europas

Lebensraum

  • In Mitteleuropa kommt das Rotwild heute vorwiegend in Waldgebieten vor
  • Ursprünglich: lichte Wälder und offene Landschaften; im Voralpenraum früher im Winter in Flussauen, die heute oft nicht mehr existieren

Nahrung

  • Der Rothirsch zählt zum sogenannten intermediären Äsungstyp: er kann sich an verfügbare Äsung und sich verändernde Äsungszusammensetzung gut anpassen. Er frisst Wildgräser und –kräuter, Sträucher, Beeren und Obst, nimmt aber bei Verfügbarkeit auch gerne Knospen, Triebe und Blätter von Bäumen auf.
  • Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen frisst der Rothirsch auch Feldfrüchte
  • Im Sommer sucht er gezielt eiweißreiche, rohfaserarme Nahrung wie Kräuter
  • Im Winter wird die Nahrungsaufnahme gedrosselt, ein zu hoher Eiweißanteil in der Nahrung wirkt sich negativ auf den reduzierten Stoffwechsel aus  
  • Der Rothirsch ist ein Wiederkäuer, er besitzt einen vierkammerigen Magen (Labmagen, Netzmagen, Pansen, Blättermagen)
  • Zur Sicherung der Magenfüllung und aufgrund des physiologischen Bedürfnisses wiederzukäuen, nimmt der Rothirsch am Tag ca. 5-8 mal Nahrung auf

Sinnesleistungen und Lautäußerungen

  • Geruchs- und Gehörsinn sind gut entwickelt
  • In der Paarungszeit, der Brunft, kann man das typische Röhren der Hirsche hören
  • ausgewachsene Rothirsche geben bei Beunruhigung einen bellenden Laut von sich
  • Rothirschkälber und ihre Mütter verständigen sich u.a. durch einen leisen Lockruf

Fortpflanzung und Lebensweise

  • Als reiner Pflanzenfresser wird der Aktivitätsrhythmus von der Dauer der Nahrungsaufnahme und des Wiederkäuens bestimmt
  • Alle anderen Aktivitäten sind in diesen Tagesablauf, der aus äsen (fressen) und wiederkäuen besteht, eingebunden
  • Rotwild reagiert empfindlich auf menschliche Störungen
  • Die Paarungszeit findet in Mitteleuropa im September/Oktober statt
  • Die Tragzeit beträgt etwa 8 ½ Monate. Meist wird ein Kalb, selten zwei Kälber Ende Mai/Anfang Juni geboren
  • Die Kälber tragen ein hellgeflecktes Tarnkleid, bei Gefahr drücken sie sich reglos am Boden, um nicht entdeckt zu werden
  • Rotwild ist sehr gesellig, lebt aber bis auf die Brunftzeit nach Geschlechtern getrennt: Die Hirsche bis zur Brunft im Hirschrudel, alte Hirsche auch allein, Hirschkühe und ihre Kälber sowie die Jungtiere des Vorjahres (Spießer und Schmaltiere) im Kahlwildrudel
  • Während der Brunft finden sich die Hirsche an den Brunftplätzen, die meist von den Hirschkühen ausgewählt werden ein
  • Die Platzhirsche sind während der Brunft damit beschäftigt die Hirschkühe gegen Rivalen zu verteidigen, um sich so mit möglichst vielen von ihnen fortpflanzen zu können
  • Zwischen ebenbürtigen Gegnern kann es zu heftigen Kämpfen kommen, schwächere Hirsche werden durch Drohrituale abgeschreckt

Gefahren

  • Natürliche Feinde: Wolf, Luchs, Bär
  • Heute sind die Zerschneidung und Zerstörung der Lebensräume durch Verkehrswege und menschliche Siedlungen die größte Gefahr für das Rotwild
  • Natürliche Wanderungen und die notwendige Vermischung des Erbgutes zwischen den Beständen sind dadurch und durch die Rotwildbezirkspolitik teilweise unmöglich
  • Mit Einsetzen des Schneefalls wandert das Rotwild in tiefere Gebiete, v.a. in Flussauen, wo noch vorhanden
  • Die Bebauung der Talauen führte zum Verlust nahrungsreicher Überwinterungsgebiete, das Rotwild wird in vielen Bereichen vom Menschen gefüttert, auch mit dem Ziel Wildschäden an der Waldvegetation zu vermeiden
  • Ungünstige, nasskalte Witterung, Krankheiten, und Verkehrsunfälle fordern vor allem unter den Kälbern ihren Tribut

Das Rotwild im Bundesjagdgesetz

Jagdzeit

  • Kälber: 1. August - 28. Februar
  • Schmalspießer: 1. Juni - 28. Februar
  • Schmaltiere: 1. Juni - 30. Januar
  • Hirsche und Alttiere: 1. September - 30. Januar

 

Quellen

  • Niethammer, J.; Krapp, F. (1986): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 2/II Paarhufer - Artiodactyla. Aula Verlag Wiesbaden.