Bushcraft 101 für alle Pioniere unter uns | Deutscher Jagdverband

Bushcraft 101 für alle Pioniere unter uns

Früher hießen sie „Waldläufer“, heute sind es die „Bushcrafter“. Der Grundgedanke ist geblieben: mit einem Minimum an Ausrüstung die Natur entdecken und durch erlernte Fähigkeiten sein Leben sichern. Neben vielen neuen Erfahrungen bleibt dem Bushcrafter vor allem eins: Selbsterkenntnis. Patrick Hoffmann hat für den DJV „Bushcraft 101“ gelesen und in der Praxis getestet.

Der perfekte Guide für Survival-Fans: Bushcraft 101 (Quelle: bugout)
Der perfekte Guide für Survival-Fans: Bushcraft 101 (Quelle: bugout)

Der ehemalige US-Soldat, Pfadfinder und Autor Dave Canterbury hat sein bereits 2014 auf Englisch erschienenes Standardwerk „Buscraft 101“ nun in deutscher Sprache herausgegeben. Das Buch gliedert sich in zwei Teile: die erste Hälfte des Buches behandelt die Vorbereitung des Aufenthalts in der Natur. Wie plant man sein Marschgepäck? Welche Werkzeuge, Seile und Tauwerk, Behälter und Kochutensilien benötigt man? Welche Schutzausrüstung ist wichtig und zu guter Letzt: Wie gelingt das Feuer machen? Canterbury gibt zahlreiche praktische Tipps und erläutert die ersten Überlebenspraktiken in der Wildnis. Von der Einrichtung des Lagerplatzes bis zum Navigieren im Gelände, Baumkunde, Fallenbau und Wildverarbeitung. Im Anhang gibt es einige Wildrezepte sowie Tipps über essbare Pflanzen und Heilpflanzen.

Aber Achtung! Canterbury bezieht sich immer auf den nordamerikanischen Raum - dies betrifft die Pflanzen- und Tierwelt sowie die genannten Jagdarten. Viele Tipps würden in Deutschland gegen Jagd-, Naturschutz- und Tierschutzgesetze verstoßen und sind daher nicht anwendbar. Jäger wissen dies aufgrund ihrer Ausbildung, aber weiß das auch der ambitionierte Bushcrafter? Vorgestellte Fallenarten, wie etwa das Tellereisen, sind in der Bundesrepublik verboten. Ganz abgesehen davon, dass nicht jeder Fallen stellen darf. Auch das Fällen von Bäumen in Landesforsten oder Naturschutzgebieten ist kein Kavaliersdelikt. Aus diesen Gründen muss geltendes Recht vor der Praxisanwendung zunächst geklärt werden, bevor es losgehen kann.

Anfängern erleichtert das Buch den Einstieg ins Bushcraften - egal ob für den Wochenendausflug einen längeren Treckingtrip. Gerade weil Grundsätzliches, wie zu beachtende Witterungsverhältnisse oder der Umgang mit Werkzeugen, behandelt werden. Im Glossar führt Canterbury wichtige Fachbegriffe und Kurzbeschreibungen ein und erleichtert so den Umgang mit Fachthemen. Allerdings ist der Aufbau des Buches an manchen Stellen umständlich. Einige Fachausdrücke werden erst zu spät oder ungenügend eingeführt, was den Lesefluss stört. Beschreibungen, zum Beispiel von der Anwendung einiger Werkzeuge, werden erst nach mehrmaligen Lesen verstanden. Auch könnten einige Erläuterungen noch durch mehr Illustrationen ergänzt werden, um das Verständnis zu erleichtern. Die Beschreibung zum Aufbau eines Tarps, eines wasserfesten Segels als Zeltersatz, ist beispielsweise sehr dürftig und dazu in umständlicher Fachsprache gehalten. Das Buch ist als Praxisführer für Bushcrafter in spe trotzdem hilfreich. Vor der ersten richtigen Expedition sollten allerdings theoretische Kenntnisse erst einmal vorsichtig getestet werden.  

Seine eigenen Fähigkeiten testen, physische und psychische Grenzen unter freiem Himmel ausloten - das liefert nicht nur Erkenntnisse über die Natur, sondern auch über einen selbst. Das Buch Bushcraft 101 bringt Anfängern und Naturinteressierten die Welt der Waldläufer näher und macht Lust auf mehr. Canterbury vermag es, im Leser den Entdeckergeist eines Kindes zu wecken - eine Empfehlung für alle Outdoorfans und die, die es gerne werden wollen. Dave Canterbury ist Lehrer einer Pfadfinderschule in Ohio. Seine Schule gehört zu den 12 besten der USA. Neben seinem Beruf betreibt er einen Youtube-Kanal, der inzwischen knapp 500.000 Abonnenten und 75 Millionen Aufrufe hat.